Gymnastizierende Bodenarbeit: Die ideale Ergänzung zum Reiten

Aktualisiert: 19. Juli 2018

Ein Plädoyer für mehr Abwechslung im Pferdetraining!


Mit dem Begriff Bodenarbeit verbinden viele Reiter unkontrolliertes Longieren ohne jeglichen gymnastizierenden Wert oder reines Gehorsamstraining. Bodenarbeit ist jedoch ein wertvolles Werkzeug in der Ausbildung unserer Pferde und in den letzten Jahren leider immer mehr in den Hintergrund gerückt. Pferde werden hauptsächlich geritten trainiert, manchmal werden sie hin und wieder longiert. Junge Pferde werden oftmals mit Bodenarbeit auf das Reiten vorbereitet, sobald dies gut klappt, verschwindet die Bodenarbeit wieder aus dem Trainingsplan.


Vor den Weltkriegen war die Bodenarbeit ein zentraler Bestandteil der Pferdeausbildung und wurde auch mit älteren Pferde immer wieder als Ergänzung zum Reittraining praktiziert. Abwechslungsreiches Pferdetraining, sei dies im Gelände oder auf dem Reitplatz förderten die physische und geistige Gesundheit und Flexibilität der Pferde. Durch individuelle Übungskombinationen wurde die Gelassenheit der Pferde gefördert, gleichzeitig wurde Losgelassenheit, Koordination und Kondition aufgebaut.


Die Bodenarbeit erlaubt uns, mit zielgerichtetem Training das Pferd zu gymnastizieren, Balance und Koordination zu verbessern, Muskulatur aufzubauen und das Pferd geradezurichten. Mit Dressurlektion vom Boden aus oder den klassischen Hufschlagfiguren lernt das Pferd sich selber ausbalanciert zu tragen und kann so Schub –und Tragkraft entwickeln. Durch die Kombination mit Stangen, Gassen oder Pylonen usw. wird gleichzeitig die geistige Fitness trainiert und sorgt für Abwechslung im Pferdealltag. Den eigenen Ideen sind keine Grenzen gesetzt!


Viele Pferde haben nie gelernt sich unter dem Reiter ausbalanciert zu bewegen und haben Mühe Lektionen unter dem Reiter korrekt auszuführen. Da Pferde von Natur aus nicht zum Reiten gedacht sind, ist es unsere Aufgabe sie mit unserem Training gesund zu erhalten und sie mit entsprechenden Übungen auf das Reiten vorzubereiten und ihnen dies so leicht und angenehm wie möglich zu machen. Bodenarbeit kann hier helfen, dem Pferd Bewegungsabläufe ohne Reitergewicht zu erklären und diese zu festigen. Die Tragemuskulatur wird verbessert und kann somit den Reiter gesundheitsschonender und leistungsfähiger tragen. Fehlbelastungen der Gelenke und Verspannungen des Trageapparates können vermieden werden.


Es macht durchaus Sinn auch bei bereits gerittenen Pferden den Trainingsalltag mit Bodenarbeit zu ergänzen. Viele Rittigkeitsprobleme können so aufgearbeitet werden und viele Pferde verstehen neue Übungen besser, wenn sie diese erst am Boden ausführen und sich mit dem Bewegungsablauf vertraut machen können.


Auch der Reiter profitiert von der Bodenarbeit: er lernt die Hilfengebung erst vom Boden aus und kann diese dann ohne grossen Aufwand auf das Reiten übertragen, so können Missverständnisse zwischen Reiter und Pferd vermieden werden. Gleichzeitig lernt er gezielt seine Körpersprache einzusetzen und kann sich ein Bild der Bewegungen seines Pferdes machen. Und ganz nebenbei verbessert sich auch die Fitness des Menschen!


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© 2019 Mariana Blösch

Mariana Blösch, 5637 Beinwil Freiamt, Tel: 079 362 28 05 Email: info@marianabloesch.ch

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