Versteht mein Pferd meine Hilfengebung...

Sind Hilfen wirklich eine Hilfe für das Pferd? Oder doch einfach verwirrende Anweisungen?


Oft lernt man als Reitanfänger die verschiedenen Einwirkungsmöglichkeiten auf das Pferd als Hilfen kennen. Man lernt zwischen Zügel-, Schenkel – und Gewichtshilfen zu unterscheiden. Man kann so den Bewegungsablauf und Haltung des Pferdes beeinflussen und steuern. Ein bisschen Zügelzug hier, ein bisschen Schenkelklopfen da und irgendwann macht das Pferd schon das, was man sich vorgestellt hat. Schnell hat der Reitanfänger das Gefühl, Pferde würden seine Hilfen von Natur aus verstehen, dass es so „eingebaute Knöpfe“ am Pferderumpf gibt und wenn man dort den Schenkel anlegt oder klopft geht das Pferd vorwärts. Oder Sensoren im Pferdemaul, wenn man am Zügel zieht weiss das Pferd, dass man nach links abwenden möchte oder es anhalten soll.


Leider hält sich dieser Irrglaube ziemlich hartnäckig und den wenigsten Reitern ist bewusst, dass Pferde unsere Hilfengebung erst lernen müssen um zu verstehen was wir von ihnen wollen. Das junge Pferd hat keine Ahnung was ein Schenkeldruck, eine Gewichtsverlagerung des Reiters oder ein ziehen am Zügel bedeutet soll. Es fühlt wahrscheinlich was unangenehmes, weiss aber nicht, wie es darauf reagieren soll.

Aller Anfang ist schwer

Jeder von uns der schon mal eine neue Sprache erlernt hat, weiss wie schwierig dies am Anfang ist. Hat man nun einen Lehrer der kleinschrittig und nach einem klaren, immer gleichbleibenden Konzept vorgeht, kann dieser einem schnell die Grundlagen beibringen. Auf das Pferd angewendet heisst das für uns, ich muss dem Pferd die Anweisungen erst einzeln und schrittweise erklären. Ich muss einen klaren Trainingsplan haben, der kleinschrittig aufgebaut ist. So lernt das Pferde erst die einzelnen Hilfen kennen und weiss wie es darauf reagieren kann. Anschliessend kann daraus langsam ein Zusammenspiel entstehen. Der Reiter darf keinenfalls widersprüchliche Anweisungen geben, denn so kann das Pferd nur auf gut Glück auf die Hilfen reagieren und versteht niemals was die Hilfe wirklich bedeutet. Schnell bleibt das Pferd in einer Try und Error Schleife hängen und versteht evt. ein ganzes Pferdeleben nie richtig, was die einzelnen Anweisungen wirklich bedeuten. Der Reiter ist frustriert und das Pferd versucht hilflos es doch irgendwie richtig zu machen, den manchmal ist es ja schon richtig und in einem anderen Kontext doch wieder nicht. Jeder weiss selber, wie frustrierend und hilflos sich das anfühlt.


Klarer Aufbau und gutes Konzept hilft

Für uns Reiter bedeutet dies, dass wir uns über den Aufbau unserer Hilfengebung Gedanken machen müssen. Es braucht einen Plan und ein klares Konzept und viel Geduld und Feingefühl dies dem Pferd verständlich zu machen. Es bringt nichts, wenn ich „lauter“ und deutlicher werde, wenn mein Trainingspartner eine andere Sprache spricht und etwas ganz Anderes mit meiner Anweisung verknüpft hat. Das ist wie wenn ich ein Wort immer lauter wiederhole, obwohl mein Gesprächspartner meine Sprache nicht spricht. Er hat keine Ahnung was mein Wort bedeutet und es wird ihm auch nicht plötzlich klar, nur weil ich schreie. Es liegt also an mir, mit meinem Gegenüber eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, in dieser wir ohne Missverständnisse miteinander kommunizieren können.

Zurück zur Basis ist kein Verlust

Habe ich das Gefühl mein Pferd reagiert abgestumpft oder unwillig auf meine Hilfengebung, kann es durchaus Sinn machen, sich die Basis nochmals neu aufzubauen und dem Pferd die Hilfen einzeln nochmals neu verständlich zu machen. Oft scheut man diesen Aufwand, weil man denkt, das dauert zu lange und man will jetzt trainieren. Aber wenn die Basis nicht stimmt, zieht man diese Probleme die ganze weitere Pferdausbildung mit sich mit und es dauert am Schluss alles viel länger als wenn man mal einfach einen Schritt zurückgeht und sich die Grundlagen fehlerfrei erarbeitet. So hat man eine Grundlage die dem Pferd klar ist, dies gibt Sicherheit, Missverständnisse können vermieden werden und dem Pferd, wie auch dem Reiter, bleiben Frust und Ärger erspart. Wir dürfen nie vergessen, nur weil wir wissen wie es vermeintlich geht, heisst dies nicht, dass das für das Pferd auch klar ist. Grundsätzlich hat das Pferd von unseren Reitambitionen keine Ahnung und es liegt in unserer Verantwortung ihm diese schonend, geduldig und ohne Missverständnisse zu erklären.




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© 2019 Mariana Blösch

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